Vorsicht illegal: Gefälschte Medikamente im Internet

Vorsicht illegal: Gefälschte Medikamente im Internet

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Das Geschäft mit illegalen Arzneimitteln boomt wie nie zuvor. Erst Anfang April gingen aus der Zoll-Jahresbilanz erschreckende Zahlen hervor: 3,9 Millionen gefälschte Tabletten wurden allein im Jahr 2015 konfisziert. Im Internet ist das Risiko unseriösen Machenschaften zum Opfer zu fallen, besonders groß. Was Verbraucher tun können, um sicherzugehen legale Produkte zu erwerben, lesen Sie hier.

Online-Apotheken im Fokus

Die Nachfrage nach Online-Apotheken hat in den vergangen fünf Jahren extrem zugenommen. Immer mehr Patienten ziehen die virtuelle Alternative den stationären Apotheken vor. Zum einen um Geld, zum anderen um Zeit zu sparen. Was jedoch auf den ersten Blick seriös erscheint, entpuppt sich in vielen Fällen als schwarzes Schaf. „Tatsächlich verfügen 74 Prozent der Versandapotheken über keinen datenschutzkonformen Online-Shop. Und immerhin 68 Prozent informieren die Nutzer des Apothekendienstes nicht über die potentielle Weitergabe der eigenen Daten an Dritt-Anbieter“, wird bei den Deutschen Gesundheits Nachrichten erklärt.

Verbraucher gehen beim Kauf bei Betrügern gleich mehrere Risiken ein:

  • In illegalen Medikamenten können gesundheitsschädliche Substanzen und Chemikalien enthalten sein. Teilweise markante Gefahren für die Gesundheit sind zu erwarten. Im schlimmsten Fall folgt der Tod.
  • Auch gefährliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich.
  • Gegen Besteller von gefälschten Medikamenten kann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Auch Bußgelder werden verhängt.

Der Internet-Gesundheitsdienst unter ferndiagnose.org hat in einem Informationsartikel zum Beispiel über das Diätmittel Reductil berichtet, dessen Wirkstoff Sibutramin bereits seit 21. Oktober 2010 verboten ist: „Unabhängig von der Strafbarkeit, sind Medikamente mit diesem, nicht ohne Grund, verbotenen Wirkstoff sehr gefährlich und gesundheitsschädigend.“ Wie die Deutsche Apotheker Zeitung im Mai 2016 berichtete, tauchte das verbotene Medikament Reductil® in diversen Internetshops wieder auf. Nach dem die illegalen Produkte in Indien gekauft und über Spanien, Niederlande und Großbritannien den Weg nach Deutschland fanden, wurden sie in Essen, Gelsenkirchen und Duisburg gelagert. Die beiden Haupttäter, die gemeinsam mit weiteren Kriminellen mehrere Millionen mit den Fälschungen einnahmen, wurden zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Während manche verbotenen Medikamente in ihrer ursprünglichen Form illegal verkauft werden, gibt es andere Kriminell, die stattdessen eine wilde Mixtur aus diversen Substanzen herstellen, um sie anschließend als angebliche Schlankmacher, Potenzmittel oder ähnliches teuer zu verkaufen. Was in illegalen Medikamenten bei Analysen teilweise gefunden wird, ist mehr als kurios. Die Arzneimittel-Untersuchungsstelle in Münster konnte sogar schon Sprengstoff in Abnehmkapseln nachweisen. Was derartige Inhaltsstoffe im menschlichen Körper verursachen, möchte man sich gar nicht vorstellen.

Die AOK hat im Video die gefährlichen Fälschungen aus Online-Apotheken thematisiert und auf weitere, erschreckende Inhaltsstoffe hingewiesen:

Internetauftritt täuscht!

Allein ein schicker Internetauftritt darf für Konsumenten keinesfalls der Indikator von Seriosität sein. Kriminelle wissen genau, wie sie Verbraucher täuschen müssen. Die Handelssysteme und logistischen Netzwerke der Täter sind oft gleichermaßen ausgeklügelt, wie das Design der Internetseiten. Bevor das Angebot also überhaupt näher betrachtet wird, sollte der erste Blick auf das Impressum der Seite wandern. Ist es vollständig und nachvollziehbar? Gibt es die Adresse tatsächlich oder handelt es sich um einen Fake?

Das EU-Sicherheitslogo

Um den Verbraucherschutz zu erhöhen, wurde 2015 ein EU-Sicherheitslogo eingeführt. Es muss von Online-Apotheken auf der Internetseite integriert werden. Beim Anklicken werden Kunden zur national zuständigen Arzneimittelbehörde weitergeleitet. Auf der Internetseite des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information wird in drei Schritten erklärt, wie man das EU-Sicherheitslogo richtig nutzt und damit gewährleistet ausschließlich bei seriösen Anbietern einzukaufen.

Wechselwirkungen vermeiden

Vor der Bestellung bei seriösen Online-Apotheken, empfiehlt es sich mit dem behandelnden Arzt oder einem Apotheker mögliche Wechselwirkungen auszuschließen. Ohne eine professionelle Beratung durch einen Fachmann ist das Risiko für gesundheitliche Schäden gegeben und sollte keinesfalls unterschätzt werden.

Fazit

Gefälschte Medikamente aus dem Internet stellen ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Einige Täter scheuen nicht davor zurück Substanzen wie Staub, Tierkot oder toxische Inhaltsstoffe beizumengen. Wer illegale Präparate kauft, setzt jedoch nicht nur seine Gesundheit aufs Spiel. Auch mit Bußgeldern und Ermittlungsverfahren ist zu rechnen.

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