Zusatzstoffe in Lebensmitteln

Zusatzstoffe in Lebensmitteln

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Wer sich weitgehend von natürlichen Lebensmitteln aus der Agrarwirtschaft und Viehzucht ernährt, muss sich nicht mit Analogkäse, Formschinken, synthetischen Aromen, Emulgatoren, Geschmacksverstärkern, Bindemitteln, Farbstoffen und ähnlichem auskennen. Diese sind Anzeichen für Food-Design und industrielle Verarbeitung. Man nennt das im Fachjargon der Lebensmitteltechniker “Veredelung”.

Produktbezeichnungen können ebenso in die Irre führen wie Zutatenlisten, die vier verschiedene Zuckerarten auflisten, um den Gesamtzuckergehalt zu verstecken. Ein “Erdbeerjoghurt” enthält auf 150 Gramm Inhalt eine halbe Erdbeere, der Rest sind Aromen und Farbstoffe. Ein “Joghurt mit Fruchtzubereitung” benötigt nur ein Erdbeerdrittel, ein “Joghurt mit Erdbeergeschmack” kommt ganz ohne Erdbeeren aus. Der Grund: Gefrostete und industriell verarbeitete Erdbeeren sind unansehnlich und geschmacksneutral. Labortechniker sorgen dafür, dass sich beides ändert. Der Kunde würde einen unansehnlich-geschmacksneutralen Joghurt nicht kaufen. Ähnliches gilt auch für andere Nahrungsmittelzutaten. Je mehr Fertigkost wir verzehren, desto mehr Aromen, Farbstoffe, Konservierungs- und Verdickungsmittel nehmen wir auf. Die Liste der mitgegessenen Zusatzstoffe mit dem berühmten E und einer Zahl dahinter kann man nicht übersehen.

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Derzeit kommen wir in den Genuss von 320 Stoffen, die die EU als Lebensmittel-Zusatzstoffe erlaubt. Giftig sind diese in den erlaubten Mengen zwar nicht, teils aber umstritten. Sie können Allergien auslösen oder stehen gar unter Krebsverdacht. Bei den 2700 verwendeten Aromastoffen gibt es keine gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Deklarierung. Auf der Verpackung eines industriell hergestellten Nahrungsmittels wird nicht gesagt, welche Aromen verwendet wurden. Heutzutage gibt es zwar keine Begriffe wie “natur-identisch” oder “künstlich” mehr für Aromen, weil wir bewusster einkaufen. Was ein “natürliches” Aroma ist, ist aber sehr variabel. Es kann aus Pflanzen oder Tierbestandteilen oder mikrobiell hergestellt werden. Was man für ein Apfelstückchen hält, entstammt in Wahrheit einem Labor. Ein Fruchtaroma kann aus Schimmelpilzkulturen oder Holzspänen hergestellt werden. Solange es Naturprodukte sind, ist alles bestens.

Damit der Kunde nicht allzu aufmerksam mitliest, werden die Inhaltslisten von Nahrungsmitteln kräftig und ganz legal manipuliert. Bestimmte Zutaten oder technische Hilfsstoffe, die weitgehend wieder entfernt werden, müssen gar nicht erst deklariert werden. Der Gesetzgeber hat außerdem für harte Alkoholika und Wein keine Zutatenlisten vorgeschrieben. Bei Wurst und Käse aus der Frischetheke müssen nur allgemeine Inhaltsangaben gemacht werden. Deklariert wird ein “Farbstoff”, aber ohne Spezifizierung. Gentechnik muss erst ab einem Gehalt von 0,9 Prozent des Gesamtgewichts deklariert werden. Wie aber erfährt man, ob das verspeiste Tier gentechnisch verändertes Futter gegessen hat? Süßstoffe, die mit Hilfe gentechnischer Substanzen hergestellt werden, müssen dies nicht extra ausweisen. Immerhin ist man heute so weit, dass Allergien auslösende Zutaten in industriell hergestellten Lebensmitteln deklariert werden müssen. Außerdem müssen die Hersteller auflisten, woraus zusammengesetzte Zutaten im Einzelnen bestehen. Bei Gewürz- und Kräutermischungen, Kakao- und Schokoladenerzeugnissen, Fruchtsaft, Fruchtnektar, Konfitüre oder Jodsalz gilt das aber nicht, sofern kein Allergen enthalten ist und die verwendete Menge unterhalb von zwei Prozent des Einwaagegewichts liegt.

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